Welche Schule ist die richtige für das Kind? Ein Überblick über alternative Schulkonzepte - Schulranzen Testberichte

Welche Schule ist die richtige für das Kind? Ein Überblick über alternative Schulkonzepte

Schulformen in Deutschland

Früher war es einfach: Wenn das Kind zur Schule musste, wurde es einfach zu der zugehörigen Schule des Einzugsgebietes geschickt. Fertig. Heute ist dies natürlich immer noch die einfachste Lösung, aber über den Tellerrand hinausschauen und sich mit alternativen Schulkonzepten bekannt zu machen ist auch nicht verkehrt. Erst wenn alle Angebote auf dem Markt bekannt sind, kann eine Entscheidung darüber getroffen werden, welche Schule die Beste für das Kind ist.

Zur Schule zu gehen sollte keine Last sein. Es sollte mit Spaß und Motivation verbunden werden und nicht mit Angst und Leistungsdruck. Einige Schulen stellen dies mehr in den Vordergrund als andere. Dennoch muss die Frage gestellt werden, ob denn das Grundkonzept von Schulen, das Lernen, noch richtig im Fokus steht oder vielleicht doch ein wenig zu kurz kommt.

Richtig suchen - und finden

Mit der Suche nach der passenden Grundschule sollte rechtzeitig angefangen werden. Die Grundschulanmeldung beginnt ungefähr ein Jahr vor Schulbeginn und an manchen Schulen sind die Plätze so begehrt, dass es Wartelisten gibt. Zu Beginn der Suche sollten die gesuchten Kriterien klar definiert werden und dann sollte die Suche danach beginnen, wo diese Kriterien erfüllt werden. Einige dieser Kriterien könnten zum Beispiel die Länge des Schulwegs sein oder wo die Freunde des Kindes eingeschult werden. Wenn es dann soweit ist, dass der Tag der offenen Tür von einigen Wunschschulen besucht werden kann, ist Vorbereitung sehr wichtig. Fragen, die beantwortet werden sollen, sollten vorher notiert sein. 

Ein Überblick über die Schulformen in Deutschland

Um bereits einen Überblick zu bekommen, welche alternativen Schulformen es in Deutschland gibt, nach welchen Prinzipien sie lehren und ob das zu dem Kind passt, werden hier die alternativen (Grund-)Schulformen in Deutschland vorgestellt.

Die staatliche Schule

Zur gegebenen Zeit erhält jede Familie mit angehendem Schulkind in allen Bundesländern außer in Nordrhein-Westfalen einen Brief von der sogenannten Einzugsschule. Dies ist die nächstgelegene staatliche Schule vom Wohnort, wo dem Kind ein Platz garantiert wird. Hier ist vor allem die Länge des Schulwegs ein Pluspunkt, da die Kinder Klassenkameraden in der Nachbarschaft haben werden und mit diesen gemeinsam zur Schule gehen können, wenn sie alt genug sind. Die Schule ist außerdem zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar, das Kind muss also nicht täglich mit dem Auto gebracht werden.

Falls aus irgendwelchen Gründen die staatliche Schule nicht passt oder eine andere Schule vorgezogen wird, muss ein Umschulangsantrag eingereicht werden, in dem ausreichend begründe wird, weshalb die Entscheidung auf eine andere Schule fiel.

Privatschulen

Deutsche Privatschulen sind nicht nur für die ganz reichen Leute gedacht, denn das Grundgesetz schreibt vor, dass die “Sondierung der Schüler nach Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird” - so werden beispielsweise Stipendien oder Ermäßigungen angeboten, wenn das Einkommen der Eltern für die Privatschule sonst nicht reichen würde. 

Dennoch sind Privatschulen meist ziemlich elitär, weil größtenteils Kinder von Akademikern und Vielverdienern dort hingeschickt werden. 

Die staatliche Förderung von Privatschulen fällt, wenn überhaupt, sehr gering aus, deshalb müssen die Eltern hohe Kosten tragen. Diese werden entweder dem Einkommen der Eltern angepasst oder es gibt einen Pauschalbetrag, der für alle gilt. 

Waldorfschulen

Die Waldorfschulen sind eines der bekanntesten alternativen Schulkonzepte. Viele stehen den Waldorfschulen allerdings mit Skepsis gegenüber, weil sie bis jetzt nur von dem Namen-tanzen gehört haben. Dies ist zwar nicht gelogen, denn die Kinder lernen beim Ausdruckstanz, Laute in Bewegung umzusetzen, aber Namen-tanzen ist lange nicht alles, was die Waldorfschule ausmacht.

Waldorfschulen fokussieren sich auf die Entwicklung von praktischen, künstlerischen, kreativen und sozialen Fähigkeiten bei den Kindern. Ein Kind, das Spaß an Bewegung, musizieren und kreativem Arbeiten hat, ist an der Schule gut aufgehoben. Der Unterricht folgt keinem Lehrplan, sondern passt sich individuell der Entwicklung der Kinder an. Diese können sich auf sehr unterschiedlichen Leistungsniveaus befinden, da keiner auf der Waldorfschule sitzen bleibt und weil auch Kinder, die sonst an Förderschulen müssten, aufgenommen werden.

Die Lernmethoden unterscheiden sich stark von den gängigen an staatlichen Schulen. Es gibt keine Schulbücher, diese werden von den Kindern selbst geschrieben. Viele fächerübergreifende Projekte sollen das Lernen erleichtern und auch wenn ein Kind an der Waldorfschule in der ersten Klasse noch nicht Lesen lernt, lernt es Buchstaben zu singen und Zahlen zu rhythmisieren. Außerdem erlernen die Kinder zwei Fremdsprachen: die erste schon ab der ersten Klasse und in der zweiten kommt die zweite Fremdsprache hinzu.

Ein weiterer großer Unterschied zu staatlichen Schulen ist, dass es an Waldorfschulen keine Benotung gibt. Dadurch fällt der Leistungsdruck weg. Es wird lediglich der Lernfortschritt am Ende des Schuljahres in einem Berichtszeugnis festgehalten. 

Dadurch, dass es keine Noten gibt, scheint es auf dem ersten Blick schwer, einen staatlich anerkannten Abschluss zu erzielen, doch Waldorfschulen bieten den jeweils erforderlichen Abschluss des Bundeslandes an, der bei einem externen Prüfer abgelegt wird.Fast alle Waldorfschüler erreichen ihren mittleren Schulabschluss und viele bleiben ein Jahr länger in der Schule, um das Abitur zu absolvieren.

Waldorfschulen verlangen ein Schulgeld, welches dem Einkommen der Eltern angepasst wird und um die 160€ monatlich liegt. Eltern müssen sich allgemein viel im Schulalltag engagieren, wenn es ihnen möglich ist.

Montessori-Schulen

An Montessori-Schulen steht die Selbstständigkeit der Kinder im Vordergrund. Mit dem Grundsatz “Hilf mir, meine Arbeit selbst zu tun”, lehrt die Schule selbstbestimmtes Lernen. Ein weiterer Leitsatz ist von Konfuzius übernommen worden: “Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.” So sind die Arbeitsmaterialien an dieser Schule sehr haptisch, ebenso wie die Unterrichtsmethoden.

Von Frontalunterricht wird abgesehen. Dafür gibt es Gruppenarbeit, Projektarbeit, Freiarbeit, in der die Schüler ihren eigenen Interessen nachgehen können und gebundenen Unterricht, wo die Arbeitsmaterialien spielerisch mit allen Sinnen erfahren werden. Hier kann jeder Schüler seine Aufgaben nach seinem eigenen Lerntempo bearbeiten und es müssen nicht alle gleichzeitig fertig sein.

Jeder Tag beginnt damit, dass die Kinder in mehreren Altersklassen zusammengelegt werden und selbst bestimmen dürfen, welches Thema sie wie lange behandeln wollen. Die Lehrer sind hier nur in der unterstützenden Funktion anwesend.

Auch an Montessori-Schulen werden keine Noten vergeben, sondern nur Leistungsberichte und Einschätzungsgespräche durchgeführt.

An diesen Schulen gibt es wenig Regeln und Strukturen, was für Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten eine Herausforderung sein kann.

Montessori-Schulen sind meist Privatschulen. Einige staatliche Schulen bieten nun aber auch Montessori-Zweige an. An den privaten Schulen wird sich mit dem Monatsbetrag an dem Einkommen der Eltern orientiert, welcher zwischen 100€ und 400€ liegen kann. Auch hier ist ein starkes Engagement der Eltern gefragt.

Nach der neunten Klasse bekommen die Kinder einen staatlich anerkannten Montessori-Abschluss. Es gibt aber auch die Möglichkeit, einen staatlichen Abschluss durch externe Prüfungen abzulegen. Einige Montessori-Schulen sind auch nur Grundschulen, somit erfolgt nach der vierten Klasse ein Wechsel auf eine weiterführende Schule, wo dann gewählt werden kann, ob eine weiterführende Montessori-Schule oder eine staatliche Schule angestrebt wird. 

Demokratische Schulen

An demokratischen Schulen richtet sich alles nach den Werten der Demokratie: alle dürfen mitbestimmen. So gibt es wöchentliche Schulveranstaltungen und Abstimmungen, an denen die Kinder das gleiche Stimmrecht wie die Lehrer besitzen. Lehrer sind hier nicht übergeordnet und werden deshalb Mitarbeiter genannt.

Weder der Lehrplan noch der Stundenplan ist festgelegt, das kann alles nach Belieben der Schüler gestaltet werden. 

Dieses Konzept weckt bei vielen Eltern die Sorge der Regellosigkeit und dass dort nichts gelernt wird, doch die Verfechter des Prinzips behaupten, dass jeder eine Motivation zu Lernen in sich trägt, der an einer demokratischen Schule nachgegangen werden kann. So kann ein Kind beispielsweise Englisch durch die Lektüre von Harry Potter und mit Hilfe eines Wörterbuches lernen statt striktem Frontalunterricht und Vokabeltests.

Regeln gibt es zwar keine, aber dennoch wird Fehlverhalten nicht geduldet. Dazu tagt regelmäßig ein Justizkommitee, welches freundlich aber bestimmt Strafen verhängt. Diese können beispielsweise ein Raumverbot oder Putzen beinhalten.

Die demokratische Schule endet mit einem mittleren Schulabschluss, nach dem wahlweise zum Gymnasium gewechselt werden kann, um dort das Abitur abzulegen.

Demokratische Schulen befinden sich in freier Trägerschaft und verlangen deshalb monatliche Beiträge, die dem Gehalt der Eltern angepasst sind.

Freinet-Schulen

Was gelernt wird, wie gelernt wird, wie lang gelernt wird - all das entscheiden Schüler an Freinet-Schulen selbst. Wöchentlich bekommt jeder seinen individuellen Arbeitsplan mit einer Themenauswahl, die dann zum Ende der Woche überprüft wird, ob sie eingehalten wurde. 

Neugierige Kinder sind hier gut aufgehoben und auch ruhige Kinder werden hier aufgefordert, Sachen zu hinterfragen. Schüchterne Kinder könnten hier allerdings falsch aufgehoben sein, weil sie sich überfordert fühlen könnten.

Noten werden auch hier nicht vergeben, aber auf Wunsch können zum Übergang in eine andere Schulform welche erstellt werden.

Freinet-Schulen sind meistens staatlich und verlangen kein Schulgeld. Die privaten Formen sind mit zwischen 35€ und 300€ monatlich zu bezahlen.

Jenaplan-Schulen

Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier sind die vier Säulen der Jenaplan-Schulen. Dazu gibt es tägliches Frühstück und Mittagessen, um die Gemeinschaft zu stärken und wöchentliche Feste, damit dem Lernen der Erst genommen wird. Auch hier steht das selbstständige Lernen im Fokus, was manchmal sogar als wichtiger erachtet wird, als das Einmaleins zu beherrschen.

An Jenaplan-Schulen haben die Kinder ebenfalls einen persönlichen wöchentlichen Arbeitsplan, den sie abarbeiten sollen. Den Pflichtlehrstoff lernen die Kinder hier im Kursunterricht und vertiefen diesen dann im Stammunterricht. Dort wird jahrgangsübergreifend mit drei Stufen gemeinsam gelernt und jeder kann seinem Lerntempo nachgehen. Besonders langsame Lerner und besonders schnelle Lerner sind hier gut aufgehoben, doch für ruhige Kinder, die klare Strukturen und konkrete Ansagen benötigen, sind jahrgangshomogene Klassen geeigneter.

Die Kinder bekommen keine Hausaufgaben und bis zur siebten Klasse wird nur ein Leistungsbericht und keine Noten ausgestellt.

Jenaplan-Schulen sind staatlich und erheben deshalb keine Schulgebühren.

Internationale Schulen

Bilingual erzogene Kinder werden meist an internationale Schulen geschickt, wobei auch sprachbegabte Kinder hier gut aufgehoben sind, wenn auch nicht unbedingt direkt ab der ersten Klasse.

Internationale Schulen folgen einem Lehrplan, allerdings nicht dem deutschen. Das bedeutet zum einen, dass kein deutscher Abschluss erlangt wird, sondern ein internationaler Abschluss. Dennoch ist die Anerkennung zum Berufseinstieg in Deutschland meist kein Problem. 

Zum anderen bedeutet der nicht-deutsche Lehrplan, dass der Übergang zu einer staatlichen Schule sehr schwer ist. Schüler müssen dann einen Einstufungstest ablegen, der sie in die Klassenstufe einordnet, der ihr Wissensstand entspricht und haben oft viel nachzuholen.

Der Preis einer internationalen Schule liegt zwischen 500€ und 1600€ im Monat.

Konfessionelle Schulen

Konfessionelle Schulen in Deutschland vertreten meist die christlichen Werte und sind entweder katholisch oder evangelisch ausgerichtet. Schüler dieser Schulen müssen nicht zwingend religiös sein, aber sie müssen die Religion respektieren und am Religionsunterricht teilnehmen. Außerdem sind religiöse Bräuche und Gebete in den Schulalltag integriert.

Die Lehrer an konfessionellen Schulen sind meist sehr streng und konservativ. Einige Schulen sind sogar noch als reine Mädchen- oder Jungsschule ausgerichtet.

Die Schulgebühren an konfessionellen Schulen liegen unter 200€ im Monat

Mehlhornschulen

Mehlhornschulen werden auch BIP-Schulen genannt und stehen für Begabung, Intelligenz und Persönlichkeit. Hier herrscht ein höherer Leistungsdruck als an staatlichen Schulen. Der Lehrplan wird um einige Fächer erweitert. Diese umfassen bildkünstlerisches Gestalten, musikalisches Gestalten, Tanz und Bewegung, Darstellendes Spiel, Sprachliches Gestalten, Schach, Informatik und zwei weitere Fremdsprachen neben Englisch, eine davon soll nichteuropäisch sein. Neben diesem Unterricht, der täglich von 8 bis 16 Uhr geht, bekommen die Kinder einen Tag früher Schluss, um Zeit zu haben, ihrer Pflicht nachzugehen, ein Instrument zu erlernen.

Bereits ab der ersten Klasse werden die Schüler in Mathe und Deutsch bewertet und ab der zweiten Klasse gibt es in jedem Fach eine Benotung. Dieser Bewertung ist viel Bedeutung beigemessen, denn Schüler mit einer schlechteren Note als einer 2 müssen sich Fördermaßnahmen unterziehen. Regelmäßig werden unter dem Schuljahr Entwicklungsergebnisse gezeigt.
Wissbegierige und ausdauernde Kinder sind hier gut aufgehoben, aber für andere könnte der Leistungsdruck zu hoch sein. Auch die Kosten lassen einige abschrecken, denn jede Klasse hat zwei Lehrer und Klassenräume und ein Kreativitätszuschlag und Hortgeld kommt außerdem zu dem Schulgeld hinzu.

Mehlhornschulen gibt es entweder als Grundschule oder als Gymnasium, wo Schüler mit dem Abitur abschließen.

Internat

Internate haben einen zwiegespaltenen Ruf durch Filme und Bücher bekommen. “Hanni und Nanni” zeigt beispielsweise wie viel Spaß das Leben den Kindern dort machen kann, aber es gibt auch viele Geschichten, die das Internat als Strafe inszenieren. Dies darf dem Kind auf keinen Fall so kommuniziert werden. Es ist auch nicht empfehlenswert, Kinder bereits zur ersten Klasse auf ein Internat zu schicken, weil das eine sehr frühe Trennung vom Elternhaus bedeutet, die nicht so einfach verkraftet wird.

Doch im richtigen Alter kann ein Internat durchaus seine Vorteile bieten. Leben und Lernen wird dort an einem Ort vereint und das Leistungsangebot geht über den staatlichen Lehrplan hinaus. Auch ein vielfältiges Freizeitangebot ist vorzufinden.

Die Berufseinstiegschancen mit einem Schulabschluss vom Internat sehen sehr gut aus. Die Kosten liegen zwischen 1.000€ und 3.000€ monatlich plus den Kosten für die Unterkunft.

Fazit

Es gibt noch einige Schulkonzepte mehr wie beispielsweise integrative Schulen oder Förderschulen. Insgesamt muss jede Familie gucken, welche Schule sich am Besten für das Kind eignet und falls es die staatliche Einzugsschule nicht tut, müssen Alternativen gesucht werden. Denn das deutsche Schulsystem hat für jeden Typ Kind die passende Schulform zu bieten.

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