Was bedeutet G8 und G9 und welches System ist für mein Kind besser? - Schulranzen Testberichte

Was bedeutet G8 und G9 und welches System ist für mein Kind besser?

Was bedeutet G8 oder G9?

Schon zur Einschulung der fünften Klasse ist ein Auseinandersetzen mit dem Schulabschluss unvermeidlich. Bei der Wahl der Schulform müssen viele Kriterien mit einbezogen werden. So zum Beispiel auch, ob die Schule nach zwölf oder dreizehn Jahren abgeschlossen werden soll.

Die Bezeichnungen G8 und G9 stehen für diesen Unterschied in der Schullaufzeit: Es geht darum, die Zeit am Gymnasium in acht oder neun Jahren zu absolvieren. Die drei Jahre Oberstufe bleiben hierbei unverändert, doch die Mittelstufe kann entweder fünf oder sechs Jahre dauern. 

Geschichte

Ein ständiges Hin und Her zwischen G8- und G9-Reformen ist für Deutschland nichts Neues. Während die Schulzeit in Preußen noch zwölf Jahre betrug, wurde sie zu Zeiten der Industrialisierung mit steigenden Qualitätsanforderungen auf dreizehn Jahre verlängert, um dann in der NS-Zeit wieder auf zwölf Jahre verkürzt zu werden.

Dann wurde Deutschland geteilt und einen der vielen Unterschiede zwischen Ost und West bietete das Schulsystem. In der DDR wurden die zwölf Jahre Schulzeit beibehalten und es wurden Einheitsschulen gegründet. Die BRD hingegen kehrte zurück zu dem System der Weimarer Republik und machte dreizehn Schuljahre zur Norm.

Zur Wiedervereinigung traf das Kultusministerium dann die Entscheidung, die Modelle nebeneinander bestehen zu lassen. Lediglich eine erforderte Stundenanzahl von 265 Schulstunden muss erfüllt werden - egal, ob in acht oder neun Jahren am Gymnasium. Nun regeln die Bundesländer selbst, welche Schulform sie für die geeignetste halten. Zwischen 2001 und 2007 haben viele Bundesländer eine G8-Reform durchgeführt, einige davon sind aber inzwischen auch schon wieder zu G9 zurückgekehrt oder stellten es den Schulen frei, ob sie acht oder neun Jahre bis zum Abitur anbieten möchten.

Vorteile von G9

Das Problem mit der geforderten Stundenanzahl des Kultusministerium spiegelt sich in einem stressigen Alltag der G8-Schüler wieder. Hier wird der Unterricht in der Mittelstufe oft auf den Nachmittag ausgedehnt, sodass neben Hausaufgaben weniger Freizeit übrig bleibt. Um die erforderte Stundenzahl zu erreichen, haben G8-Schüler im Bundesdurchschnitt zwei Stunden mehr in der Woche, in denen Unterrichtsstoff, der sonst in der neunten Klasse drankommen würde, vorgezogen wird. Repräsentative Befragungen ergaben, dass G8-Schüler mit 44 bis 55 Stunden pro Woche das Arbeitspensum eines Vollzeitangestellten mit Schulsachen verbringen. Ein höherer Leistungsdruck zählt somit ebenfalls zu den Nachteilen des G8-Modells. 

Außerdem wird der Lehrplan in der Mittelstufe gekürzt. Fächer wie Kunst, Musik und Sport werden vernachlässigt, aber auch in den Hauptfächern haben G8-Schüler beispielsweise insgesamt 180 Stunden weniger Mathe und 200 Stunden weniger Englisch. 

Die Kritik richtet sich demnach auch darauf, dass bei G8 ein “Turboabitur” abgelegt werden würde und dass nur oberflächlich gelernt wird. Auch Persönlichkeitsentwicklung und Berufsorientierung würden zu kurz kommen. Vor allem Eltern, die im Westen in der BRD mit dreizehn Schuljahren aufgewachsen sind, bemängeln diese Punkte und gründen Initiativen und Petitionen, um zu G9 zurückzukehren.

Vorteile von G8

Der Grund, warum G8 überhaupt eingeführt wurde, war eine erhoffte Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in der globalisierten Welt. Mit den damaligen 18 bis 20 Jahren bei Berufseinstieg waren deutsche Abiturienten im Vergleich mit anderen Ländern relativ spät dran. Durch G8 liegt das Alter der Abiturienten nun eher im globalen Durchschnitt.

Das gewonnene Jahr kann bei Orientierungslosigkeit nach dem Abitur auch problemlos für einen Auslandsaufenthalt oder Freiwilligendienst genutzt werden. 17-jährigen Abiturienten wird nämlich oft davon abgeraten, direkt mit einem Studium weiterzumachen, weil die Minderjährigkeit im Studienalltag zu einigen Komplikationen und fehlender Selbstständigkeit führen kann.

Während der Schullaufbahn einen Jahrgang zu wiederholen oder auf eine Schulform mit dreizehn Jahren zu wechseln, ist auch immer eine Option, falls der Leistungsdruck überwältigt.

Fazit

Die Diskussion, ob nun G8 oder G9 besser geeignet ist, ist eigentlich nicht so wichtig, wie sie manchmal erscheinen mag. Eine Studie des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ergab, dass die Dauer der Schulzeit den Lernerfolg nur gering beeinflusst. Wenn Wert darauf gelegt wird, dass das Kind dreizehn Jahre zur Schule geht und trotzdem das Gymnasium besucht, gibt es in einigen Bundesländern die Möglichkeit der Gesamtschule, die einem dreizehnjährigen Gymnasium gleicht und nebenbei auch andere Wege bietet. Eltern und Kinder, die eine bestimmte Schullaufzeit wünschen, sollten sich also rechtzeitig umschauen, welche Möglichkeiten es an den Schulen im Umfeld gibt, die Schulzeit zu verlängern oder zu verkürzen.

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