Besondere Schulen in der Welt - Schulranzen Testberichte

Besondere Schulen in der Welt

Besondere Schulen in der Welt

Jedes Land hat ein eigenes Schulsystem. Viele ähneln sich im Grundgerüst, aber es gibt keine ultimative Lösung dafür, wie viele Jahre, ab wann und bis wann Kinder zur Schule gehen sollten und so regelt jedes Land das unterschiedlich. Selbst innerhalb eines Landes mit den gleichen grundsätzlichen Regeln ist Schule nicht gleich Schule. Besondere Umstände wie Fluten in Bangladesh oder Kinderarmut in Indien erfordern besondere Maßnahmen - diese spiegeln sich in besonderen Schulformen wider, welche im Folgenden aufgelistet werden.

In welchem Land ein Kind aufwächst und welche Schule es besucht, kann viel Einfluss auf den Rest des Lebens haben. Der Wohlstand eines Landes und die Investitionen des Staates oder der Eltern in Bildung weisen immense Unterschiede auf. So hat leider nicht jedes Kind die gleichen Chancen. Von 650 Millionen Kindern im Grundschulalter lernen 250 Millionen nicht die Grundlagen des Lesens und Rechnens.

Besondere Schulsysteme

Finnland

Finnland gilt als eines der besten Länder für Bildung weltweit. In der Pisa-Studie, welche alle drei Jahre weltweit Schulleistungen untersucht, ist Finnland immer weit oben dabei. 

Finnische Kinder kommen mit sieben Jahren in die Schule. Allerdings herrscht in dem Alter keine Schulpflicht wie in Deutschland, sondern lediglich eine Lernpflicht. Diese gilt, bis die Schüler 17 Jahre alt sind. 

Neun Jahre lang besuchen Finnen die Grundschule und wechseln erst dann auf die weiterführende Schule - ein deutlicher Unterschied zu den vier Jahren Grundschule in Deutschland und ein möglicher Indikator, wieso Finnland bei Pisa so viel besser abschneidet als Deutschland. Während der gesamten Grundschulzeit geben finnische Schulen deutlich weniger Hausaufgaben auf als deutsche Schulen.

Das positivste an finnischen Schulen ist die Chancengleichheit. Alle Schüler werden gemeinsam unterrichtet und so ist die Lücke zwischen den stärksten und schwächsten Schülern weltweit dort am geringsten. Nicht nur jedes Lernniveau wird gleich behandelt. Alle finnischen Schulen sind behindertengerecht und der gesellschaftliche Hintergrund eines Kindes hat sehr wenig Einfluss auf seine Bildungschancen, anders als in Deutschland.

Südkorea

Südkorea landet in Pisa-Studien ebenfalls weit oben. Dennoch ist es nicht erstrebenswert, sich an dem Schulsystem zu orientieren, denn die Schüler sind mit Abstand die unglücklichsten weltweit.

Das gesamte Schulsystem ist auf die große Abschlussprüfung ausgelegt. Diese hat sehr viel Gewicht für den späteren Universitäts- und Berufsweg und ist mit enorm viel Druck versehen. Die Schüler lernen meist 16 Stunden täglich vor der Prüfung. Neben der Schule und den Hausaufgaben wird auch viel Zeit und Geld in Nachhilfe investiert. In Deutschland ist Nachhilfe eher dafür da, den leistungsschwachen Kindern zu helfen, mit dem Schulstoff mitzuhalten. In Südkorea hingegen ist Nachhilfe essentiell, um Prüfungen zu bestehen. Wer sich das nicht leisten kann, hinkt im Unterricht hinterher. Sogar in den Sommerferien wird die Nachhilfe besucht, damit der Stoff für das kommende Schuljahr schon begonnen werden kann.

Wenn dann der finale Tag der Abschlussprüfung da ist, herrscht Ausnahmezustand im ganzen Land. Die Prüfung hat so eine große Bedeutung, dass die Arbeitszeiten von Berufstätigen verlegt werden, damit Schüler nicht in den Stau geraten und pünktlich kommen. Falls ein Schüler doch spät dran ist, kann er sich vom Streifenwagen mit Martinshorn zur Prüfung fahren lassen. Während der Hörverstehensaufgabe in Englisch dürfen keine Flugzeuge starten, weil das Geräusch die Schüler ablenken könnte. Und die buddhistischen Tempel sind die ganze Zeit über voll mit Eltern, die für ein gutes Prüfungsergebnis ihrer Kinder beten. 

Paraguay

136 von 138. Diese Platzierung erhielt Paraguay in einer Rangliste der Bildungssysteme der Welt vom Global Competitive Index of the World Economic Forum. Die staatlichen Schulen dort haben viel mit Korruption und falschem Management zu kämpfen. Außerdem gibt es große Unterschiede der Bildungschancen von Kindern aus ländlichen gegen Kinder aus städtischen Gegenden. Grund hierfür ist die Sprache. Paraguay ist ein bilinguales Land, in dem zu 40% Guaraní, zu 26% Spanisch und zu 30% beide Amtssprachen gesprochen werden. In Schulen wird allerdings nur auf Spanisch unterrichtet, was sehr zum Nachteil der Kinder aus den ländlichen Gegenden ist, die meist nur Guaraní sprechen. 

Wenn die Eltern es sich leisten können, schicken sie ihre Kinder sogar zur Oberstufe nach Chile, weil das Schulsystem dort besser ist.
Mädchen werden in Paraguay meist nach der sechsten Klasse von den Eltern aus der Schule genommen, obwohl es neun Jahre Schulpflicht gibt. Die jungen Mädchen müssen sich dann Arbeit als Kindermädchen oder Putzkraft suchen, um die Familie mit zu versorgen und auf Bildung wird weniger Wert gelegt.

Besondere Schulen

Philippinen 

Plastikflaschen sind eine große Umweltsünde. In Deutschland werden sie als Pfandflaschen recycelt - in den Philippinen kam dem Architekten Zigfrido Abella dazu eine andere Idee: Man könnte daraus ja eine Schule bauen. Die Flaschen wurden mit Lehm gefüllt und stabilisiert und bilden nun eine Schule, die sogar Erdbeben standhält. Das Konzept war inspiriert von alten spanischen Kirchen und Gebäuden aus der Türkei und Mexico, bei denen mit Glasflaschen gebaut wurde.

Bangladesch

Was tut man, wenn man nicht zur Schule gehen kann? Die Schule kommt zu einem vor die Haustür. Dieses Konzept setzen die Schulboote in Bangladesch um. 

70% der Landesfläche Bangladeschs liegen nur weniger als einen Meter über der Meeresoberfläche. Überschwemmungen sind dort keine Seltenheit. Die Kinder konnten deshalb oft die Schule nicht besuchen, weil sie den Schulweg nicht meistern konnten. Der Architekt Mohammed Rezwan hat dafür eine Lösung gefunden: schwimmende Schulen holen nun bis zu 30 Schüler von der Haustür ab. Sobald alle an Bord sind, geht der Unterricht los und den Kindern wird Bildung nicht mehr verwehrt. Sogar eine Rutsche als kleinen Spielplatz für die Pausen hat dieses Boot zu bieten.

Indien

In Indien gibt es viele Kinder, die, anstatt zur Schule zu gehen, an Bahnhofsstationen um Geld betteln. Eine indische Lehrerin wollte diesen Kindern helfen und begann, die Kinder an den Stationen zu unterrichten. Es bildeten sich ganze Schulklassen, die am Bahnhof vier Stunden am Tag gemeinsam lernten. Die begabtesten Schüler konnten daraufhin sogar an normalen Schulen übernommen werden.